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Quarantäne 4.0 - Digitalisierung macht es uns leichter

28.12.2020

„14 Tage lang zu Hause sitzen – wie soll man das im Jahre 2020 nur aushalten?“
Eine Klasse in der Grundschule meines Sohnes wurde komplett unter häusliche Quarantäne gestellt, weil die Mutter eines Kindes sich mit COVID-19 infiziert hat. Sogar die Klassenlehrerin sitzt nun zu Hause und langweilt sich seit Tagen tierisch. Da ich mit ihr gut befreundet bin, zoomen wir regelmäßig und sie erzählt mir von ihrem Tag.

Frau sitzt gelangweilt an Ihrem Laptop

Es geht ihr gut – bis auf die Langeweile. Am ersten Tag der Quarantäne war ihr größtes Problem, was sie essen sollte. Es musste auf jeden Fall bestellt werden, denn einen Einkauf konnte sie nicht mehr machen – erst am nächsten Tag konnte sie Lebensmittel online im Supermarkt bestellen und nach Hause liefern lassen. Also, indisch oder vielleicht doch Sushi? Sie entschied sich für Sushi.

Nachdem die Bestellung raus war, setzte sie sich mit ihrem Tablet aufs Sofa – 45 Minuten sollte die Lieferung laut GPS Nachverfolgung dauern. Na mal schauen, ob die das diesmal pünktlich schaffen würden.

Per Tablet schrieb sie ihrer Psychologin, dass sie diese Woche eine Videosprechstunde mit ihr machen müsste. Das war im ersten Lockdown auch gar kein Problem gewesen. Klappte super. Würde sie noch bei ihren Eltern im Vorort von Cochem-Zell wohnen, wäre das wohl kaum möglich gewesen. Das Netz ist da echt schrecklich. Und Gott sei Dank lebte sie hier – wie wäre wohl eine Quarantäne in einer Provinz von Kolumbien??

„Warum meckere ich eigentlich dauernd?“, fragte sie mich bei einem virtuellen Kaffeeklatsch. „Meine Uroma Ruth hätte 1918 - 1920 wahrscheinlich 1.000 Paar Socken gehäkelt um sich zu beschäftigen“. Damals herrschte die spanische Grippe, zu der heute unglaublich gerne Vergleiche gezogen werden. Doch kann man das wirklich gleichstellen?

Sie dachte nach. Mit der ganzen Zeit, die sie jetzt hatte, könnte sie eine Menge tun, zu dem sie sonst wegen der Arbeit nicht gekommen wäre. Uroma Ruth hätte diesen Alltagsstress wahrscheinlich gar nicht gekannt, weil zu ihrer Zeit das Leben einfach langsamer lief.

Also, wie sah der 14-Tage-Quarantäne-Plan aus?

Montag und Mittwoch - virtuelles Sportprogramm über diesen neuen digitalen Fitness-Streaming Anbieter, von dem die Krankenkasse erzählt hat. Bezahlen die ja schließlich. Dienstag - die neue Küche mit dem Online-Konfigurator planen und dann beim Möbelhändler direkt bestellen. Danach Online-Yoga mit Mia. Donnerstag - virtuelles Treffen mit den Mädels vom Verein. Die sitzen ja grad auch alle zu Hause. Freitag - Neue Rezepte ausprobieren, die man im Internet gefunden hat und Abends endlich mal wieder ein Onlinespiel spielen.

Uroma Ruth wäre wahrscheinlich spätestens jetzt bei ihrem 500sten Paar Strümpfe angekommen und ihr würde so langsam das Garn ausgehen.

In der zweiten Woche sollte dann alles von vorne los gehen, bis auf das mit der Küche, die war ja dann schon bestellt. Vielleicht konnte sie dann doch mal dieses Online-Tool ausprobieren, mit dem man seinen eigenen Maß-BH erstellen kann. Das Smartphone ist sowieso ihr ständiger Begleiter – das Tablet und der Laptop zumindest zu Hause. WhatsApp mit Freunden und ihren Schülern, Surfen –  die Zeit würde schon irgendwie totgeschlagen werden.

Als meine Freundin ein Kind war, lebte ihre Uroma noch und erzählte ihr von der spanischen Grippe. Die Pandemie fing genau am Ende des ersten Weltkriegs an. Die Kriegsnachwirkungen und wirtschaftlichen Schäden haben die Krise noch schlimmer gemacht, als sie wahrscheinlich sonst gewesen wäre.

Füße mit Socken auf einem Sofa

Schulschließungen oder die Absage von Kultur- und Großveranstaltungen wurden zwar genauso wie heute vorgenommen – es gab jedoch keinen virtuellen Unterricht oder Streaming Konzerte der Lieblingsband. Online Essen bestellen oder Shoppen ging wohl auch nicht so gut.

Eine Anzeigepflicht für Infizierte gab es nicht – heute kann man sich online direkt auf dem Rückweg nach Hause über ein digitales Self Service-Portal beim Gesundheitsamt melden und seine Testergebnisse hochladen. Diese Daten werden über Schnittstellen direkt für Forschungszwecke weitergegeben. Parallel dazu fließen sie gleich in die Online-Live-Statistik ein. 1918 war die Diagnosestellung ungenau, geschweige denn digital.

Der digitale Wandel hat also durchaus seine Vorzüge - gerade für Privatleute. Unternehmen bekommen durch die Zwangslage entweder leichter einen Aufschwung oder ein großes Problem. So oder so wird wohl ein Umdenken stattfinden und die Chancen von jedem so gut es geht genutzt werden.
Und Uroma Ruth würde sich wahrscheinlich beim Häkeln die Frage stellen: „Wird die Welt nach der Krise eine bessere sein?“

von Daniela Brigula

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